· 

Das war anstrengend (auf Taiwan)

Mal wieder jammern auf hohem Niveau. Diesmal am Pazifik.

Es stand irgendwie fest, dass wir nach Taiwan fahren werden. Tobi schwärmt davon - ihr erinnert euch: zusammen sind wir Apphonic die geile, geile Elektroband (zur Zeit in einer Schaffenspause), plus einige Kollegen geben positive Kritiken. Zurück zu Taiwan: entspannt, sauber, Radparadies, locker, höflich - trotzdem chinesisch. So könnte China sein ohne die Turbulenzen des letzten Jahrhunderts.

Wir also hin. Rad eingepackt in die Bike Box II - dank der Kooperation von Gina; ein ganzes Gepäckstück für Einkäufe ging dadurch verloren. Nach 2,5 Stunden Flug ist man da.
Taiwan hat auch eine bewegte Vergangenheit. War mal japanisch, holländisch, spanisch und chinesisch. Plus: es leben immer noch indigene Völker da. Das merkt man auch an der Architektur, am Essen und der Kultur. Viele Menschen sehen auch wirklich anders aus. Eher wie vom Südpazifik oder Neuseeland. Man erlebt verschiedene Küchen, vor allem auf den Nightmarkets. Die Leitkultur stellen aber doch die Han Chinesen, wie am Festland.
Die politische Auseinandersetzung merkt man aber nicht so. Einmal haben wir uns mit einem  Taiwanesen, der redselig war, unterhalten. Er hat behauptet, dass es ihm nichts ausmacht, als Chinese bezeichnet zu werden. So wie ich es verstanden habe, betrachtet sich Taiwan als Teil von China. Sie akzeptieren lediglich nur die Alleinherrschaft der Partei nicht. Daher machen sie nicht mit. 
Nun zum Urlaub.
Erster Stop Taipei:
Eine 7 Mio. Metropole. Sehr ähnlich anderen chinesischen Städten. Viele Tempel, hier und da interessante neue Architektur. Umtriebig, chaotisch. Schön sind die Hügel über Taipei, die dem Teeanbau dienen. Schöner Ausflug und Aussicht. 
Spannend ist das Palastmuseum. Wenn man in Peking in der Verbotenen Stadt unterwegs ist, denkt man sich: Ja, das ist schon imposant, aber wo ist der Reichtum? Die ganzen feinen Sachen, über die man in der Literatur liest oder die man in den Filmen sieht? Die Antwort: die sind in Taipei. Wirklich unglaubliche Kunstwerke sind hier zu bestaunen. Eine Kugel aus Elfenbein, die eigentlich aus neun fein ziselierten Kugelschalen besteht. Alles aus einem einzigen Stück geschaffen, ohne Kleber. Wahnsinn. Außerdem Unmengen von Gold und Jade. Alles feinst verarbeitet. Die kleine Goldkrone war trotz der Abdeckung und massivem Unterschrank in ständiger leichter Schwingung. So fein waren die Blättchen. 
Doof nur, dass man das alles bei 37 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit absolvieren muss, im Oktober!

Die Ostküste und der Süden:

Taiwan ist praktisch in den industriellen Westen und den ländlichen Osten unterteilt. Manche Locals sagen sogar, der Osten wäre unterentwickelt, aber für den Tourismus ist es gut. Dem Auge bieten sich dadurch schöne unberührte Landschaften und Küstenbereiche. Für mich unerwartet und neu, Taiwan ist sehr bergig. Der höchste Berg ist über 3900 m hoch (die Zugspitze ist 2962 m hoch).
Interessant ist die Taroko Schlucht. Es ist ein Marmor Canyon. Man kann dort auch schön wandern. 
Ganz im Süden kann man dann den Pazifik intensiv erleben.
Und immer wieder schöne lebendige Tempel.
Doof nur, dass man das alles bei 37 Grad und sehr hohen Luftfeuchtigkeit absolvieren muss,
im Oktober!

Der Sun Moon Lake:

Passend zum Mondfestival waren wir am Sun Moon Lake. Früher waren es zwei Seen, der Sun und der Moon Lake. Die Japaner haben aber einen Damm gebaut, was bei der Flutung zum Verbinden dieser zwei Seen führte. Daher der Doppelname.
Der See ist auf 800 m Höhe. Bringt aber in Sachen Temperatur irgendwie nicht so viel. Man kann um den See fahren und nach und nach die Sehenswürdigkeiten anschauen. Alles beschaulich, aber nett. Zu finden ist eine Teeplantage mit eigener Teefabrik (in Betrieb), der größte Steinlöwe Asiens (siehe Foto) und eine Pagode. Die ist allerdings neu. Es ist mir gelungen, den Mond am Mondfestival über dem Mondsee abzulichten, toll oder?
Auch hier alles bei heißen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit. Im Oktober!

Das angekündigte Radeln:

Taiwan ist ein echtes Radparadies! Breite Radwege. Wenn es doch keine gibt, sind die Autofahrer umsichtig. 
Die moegen sogar Radler. In der Tarroko Schlucht ist mal ne weile ein Auto neben mir gefahren. Geprägt durch Peking, habe ich gedacht - was ist das wieder fuer ein Idiot! Nach ner Weile guck ich mal rueber. Da Sitzen vier Leute im Auto und feuern mich an! Wie bei der Tour de France! Blöd war nur, dass ich da wirklich mit meinen Kräften am Ende war (nach 1,5 Stunden reiner Anstieg). Habe nur abgewartet, bis sie hinter einer Kurve verschwunden sind und hab mich in den Rasen mit Schnappatmung geschmissen. Verstehe aber nun, was aber so ein Anfeuern von Fans bringt - es trägt Dich wirklich über die persönliche Grenze hinaus!
Zum Radeln gibt es tolle Strecken: hügelig, übersichtlich, abwechslungsreich mit spektakulären Ausblicken. Man kann mit der Eva Air (Taiwaneische Airline) kostenlos ein eigenes Rad mitbringen. Für diejenigen, die keine speziellen Wünsche haben bzw. die nicht zum 5% Perzentil der Wachstumsstatistik gehören, gibt es an jedem Spot einen Radverleih. Da ich mein eigenes Rad mitgebracht habe, war ich trotz der Temperaturen unter Zugzwang. Bin also fleißig gefahren. Morgens um 5:30 Uhr los, um pünktlich zum Frühstück mit Gina zurück zu sein. Eine Tour ist doch länger geworden, als geplant. Bin kurz vorm Ende des Frühstücks angekommen. Völlig dehydriert - die letzten 10 km habe ich nicht mehr geschwitzt - trotz direkter Sonne und wahrscheinlich auch 35 Grad. Das war nicht ohne!
Aber alles gut und die Eindrücke bleiben mir. Wer war schon mit dem eigenem Rad am Pazifik?

Die Lieblingsbeschäftigung - Essen:

Man merkt den japanischen Einfluss deutlich. Aber man kann auch nobel chinesisch, rustikal europäisch oder eben taiwanesisch essen gehen. Plus die Nightmarkets. An Frische nicht zu überbieten. Z.B. die Shrimps wurden direkt aus dem Becken auf den Grill geschmissen. Leider gewöhnungsbedürftig, aber super lecker!
Taiwanesische Küche ist schon schräg. Das typische Gericht ist eine Suppe aus Schweineleber mit Meeresfrüchten (das Foto in der Mitte). Klingt komisch, schmeckt aber doch koestlich. Da mache ich mal ne eigene Interpretation. Das 2. bekannte Gericht sind DimSum. Die Taiwanesische Variante ist a bisserl glibberig.
Um die Kalorieenaufnahme musste man sich nie Sorgen machen. Es ist mir auch gelungen, trotz des ganzen Radelns, kein Gewicht zu verlieren ;-(.

Abschliessend kann man sagen, es war ein schöner Urlaub. Abwechslungsreich, für China tatsächlich entspannt. Viele sprechen Englisch.

Tolle Ausblicke, sehr gutes Essen.
Nur a bisserl heiß wars ;-).

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    JQ (Mittwoch, 25 Oktober 2017 08:59)

    Toll Pavel, das muesste super sein. Ne Frage: ist es heiss da im oktober? :)

  • #2

    Peter (Sonntag, 29 Oktober 2017)

    Pavel, ich bewundere dich! Bei dieser Hitze radeln! Aber die Touren sehen echt interessant aus. Und ist es da auch mal etwas weniger heiss und schwül?
    Das Essen sieht lecker aus! Mal was anderes als jeden Tag Aljaska Pomazanka! Ich hab schon wieder Hunger.