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Frieren und Glühen

Go with the Flow. Ja, aber wie?

Hawaii. High Expectations. Haben wir gehabt. 

Ich bin eigentlich gar nicht sicher, woher diese gekommen sind. Elvis Filme? Moana? (der war ja wirklich süß + die beste Performance von The Rock seit langem) Werbung? Berichte anderer?
Hawaii ist von Beijing mit direkt Flügen zu erreichen. Zudem mag ich ja Vulkane und Gina schöne Strände. Es ist also die Chance.
Über Weihnachten und Silvester hat sich die Gelegenheit auch für uns geboten.
Wir sind also für 18 Tage auf nach Hawaii aufgebrochen. Es wird der teuerste Urlaub werden. Leistung hielt sich in Grenzen, aber der Reihe nach.

Das Wetter:
Auf Hawaii ist der Dezember der Anfang der Regenzeit. Und doch auch des Winters, wie wir schüttelnd erfahren mussten. Auf Hawaii ist es vom Gefühl her nämlich zu dieser Zeit vergleichbar mit der Toskana im Winter. Tagsüber ist es durchaus erträglich mit um die 24 Grad. Und wenn es gerade nicht regnet, wärmt die Sonne angenehm. Nachts aber fällt die Temperatur auf 12-14 Grad. Und jetzt der Toskanavergleich: Keine Heizung! Zudem stehen die Amis ja so auf Air condition,  dadurch sind alle Gebäude/Restaurants/Bed & Breakfasts auf 16 Grad runtergekühlt. Wenn man also tagsüber nicht in der lächelnden Sonne steht, hat man selbst weniger zu lachen.
Ok jetzt mal Pause vom Jammern.
Wir haben uns vier Inseln angeschaut.
Oahu:
Das ist die Insel mit Honolulu, Waikiki, Pearl Harbour und North Shore.
Durch Honolulu auch die Insel mit dem größten kulturellen Angebot. Von allem etwas, aber tatsächlich eher die Kategorie ganz nett. Es gibt ein paar Fans, aber wir schlagen uns auch eher in das Lager der Weiterflieger.
Waikiki ist ein Strand in der Stadt, bunt und voll. Hier konnten wir auch einer kleinen Hula Show beiwohnen. Da diese vom Tourismusministerium organisiert wird, ist es keine Abzocke, sondern eine schöne Gelegenheit, dieses Kulturgut kennenzulernen. Übrigens ist es traditionell den Männern vorbehalten - es ist nämlich sowas wie ein Schamanentanz. Aber wir hatten doch auch eine Tänzerin. Gott sei Dank.
Pearl Harbour hat durchaus überrascht. Eine würdige Gedenkstätte. Kein Jammern, eher ein differenzierter Blick auf das Ereignis selbst und den Krieg.
North Shore - schönes Licht. Wegen Stau sind wir kurz davor stehen geblieben und haben einen Blick für uns gehabt. Wie sich später herausgestellt hat, war der Stau durch die Surf-WM verursacht. Haben wir also verpasst. Ein Hawaiianer von North Shore hatte sogar gewonnen!

Kauai:

Die Garteninsel. Durch die Lage: nord-westlichster bewohnter Archipel bereits raus aus der aktiven Vulkanzone. Daher ist es auch die Insel mit der dichtesten Vegetation und den ältesten geologischen Sehenswürdigkeiten.
Vom Gefühl her auch die entspannteste Insel. Alle sind easy und locker drauf. Aussteiger, Hippies, auch ein paar Obdachlose. Fast bei allen hatte man den Eindruck, dass es eher eine freie Entscheidung war.
Es gibt sowas wie einen (mini) Grand Canyon und den Top 10 Hiking Trail der Welt. Entlang der Küste ca. 18 km. Wegen dem Gelände, dem Matsch und der dichten Vegetation sollte man zwei Tage einplanen.
Wegen dem Gelände, dem Matsch und der dichten Vegetation haben wir nur bis zum ersten Aussichtspunkt (ca. 0,5 Meilen) mitgemacht. (Keine Ersatzschuhe).
Das Beste war, dass wir ein Upgrade beim Mietwagen bekommen haben. Einen Mustang Cabrio! Tolle Kiste! Im normalen Modus eine  Amischaukel, wie Mann es erwartet. Im Sportmodus
ein Renner. Setzt jede Regung der Lenkung oder des Gaspedals bereitwillig um. Würde ich doch gern mal auf der Nordschleife damit fahren.

Big Island:

Die größte Insel. Aus unserer Sicht hat Big Island auch das vielfältigste Angebot. Und es ist die noch vulkanisch aktive Insel. Nur hier kann man fast immer frische, noch fließende Lava finden.
Hawaii ist auf einem sogenannten Hot Spot (ähnlich wie Island oder Yellow Stone). Durch die Plattentektonik wandern die Inseln in Richtung Nord-West von dem Hot Spot weg. Deswegen sieht Hawaii wie eine Kette aus. Big Island ist also noch knapp über dem Hotspot. Faktisch entsteht schon eine neue Insel - Loihi. Südöstlich unterhalb Big Island. Sie kommt in etwa 30.000 Jahren an die Oberfläche. Es ist noch nicht ganz sicher,ob sie mit Big Island eine Landmasse bilden wird  oder doch eigene Insel bleibt. Ich durfte schon einen Stein von Loihi im Bishop Museum in Honolulu in der Hand halten. 
Big Island hat also eine aktive Vulkanzone, den höchsten Berg von Hawaii (4.200m) - mit Schnee, Canyons und Wasserfälle. Man kann baden, schnorcheln mit Mantas und auch Wale beobachten. Im Norden ist auch dichte Vegetation zu finden.
Wir haben uns auf den Vulkan konzentriert.
Wir sind durch ne relativ neue Caldera und zur fließenden Lava gewandert. Das war a bisserl verrückt. Es ging ca. 3 km durch ein wildes Lavafeld. Zurück im Dunkeln mit zwei kleinen Handlämpchen. Das Gebiet ist nicht gesichert. Wenn man also wirklich an der Lava steht, könnte man reintreten. Aber es war beeindruckend!

Mauna Kea ist der höchste sichtbare Vulkan (4.200m hoch). Mauna Loa (gleich daneben) ist der größte Berg der Erde. Da er direkt in den Ocean reingeht, ist es valide den bis zu seiner Wurzel zu messen. Dann hat er über 9000m.

Oben auf Mauna Kea ist das berühmte Observatorium der NASA. Ist es das höchst gelegene Observatorium der Welt? Ich wollte es mir anschauen. Leider wg. Eissturm (im tropischen Land ;-)) für 2 Tage gesperrt. Dann halt nur Sterne vom Visitor Center (3.000m) geschaut. Auch das war leider nur begrenzt möglich. Aber das Mondfoto ist schon auch ziemlich toll geworden (mit Hilfe des Teleskops). Wie es auch sein kann, sieht man am letzten Bild, was als Werbematerial verwendet wird.

Maui:

Unser letzter Halt. Die bekannteste Insel. Auch hier gibt es einen hohen Schildvulkan - Haleakala, ca. 3.000 m, den wir zum Sonnenaufgang mit dem Auto erklommen haben. Sonst kann man auch wandern, beachen etc. 
Wir haben uns den größten historischen Tempel Polynesiens angeschaut (der schwarze Steinhaufen auf Foto Nr. Drei). Er ist in einen wunderschönen Garten eingebettet.
Zum Abschluss haben wir an Silvester Whale watching gemacht. Wir hatten tatsächlich Glück und konnten gleich eine 5er-Gruppe Buckelwale beobachten. Vier Männchen kämpften um ein Weibchen. Das meiste hat sich zwar unter Wasser abgespielt, aber wir konnten doch einige Einblicke erhaschen.

Essen: 

Ihr habt schon drauf gewartet, ich weiß. Überraschenderweise ist die Küche auf Hawaii sehr abwechslungsreich. Ich meine, es ist ja immer noch USA. Wir mussten nur 1x Burger und nur 1x Steak essen. Es gab viel Fisch, Meeresfrüchte und auch Gemüse. Die Küche hat viele kreolische Einflüsse. Es gibt aber auch viele europäische, japanische und mexikanische Restaurants.  Hohe Küche sowie Streetfood.
Immer gut, häufig sehr gut, immer teuer. Das günstigste Essen waren 4 Tacos für 27 $! Oder war es doch die Pizza - ein Slice! - für 9$. Die war aber handgemacht im Steinofen. Es war auch ein Food truck - mit Ausblick aufs Meer. Das relativiert es ja wieder, oder?
Die größte Überraschung war ein Frühstück für 47$, von dem wir aber noch 3 Tage gegessen haben - Doggie Bag. Typisch hawaiianisch ist das Pulled Pork, sieht echt seltsam aus, ist aber sehr lecker; dann noch eine Art roher Thunfischsalat auch sehr schmackhaft.
Auf Kauai haben wir einen Smoothie Laden entdeckt, der alles organic Style macht; ziemlich köstlich. Ich habe deren signature Saft probiert, Blue Maijck. Wie der geschmeckt hat, sieht man. Es war ein Algenextrakt, habe leider erst nachher gefragt.
Unser traditionelles Sterne Hochzeittagsessen am 30.12. haben wir diesmal mit Streetfood am Strand gemacht. Sehr schön.
Zu Weihnachten wurden wir von den B&B Besitzern zum Familienessen eingeladen. Truthahn mit allen Schikanen. Lecker und ein unvergesslicher Abend.
New Years Eve dann in einem Nobelschuppen auf Maui. Auch lecker und lustig wie man sieht.

Der Zeitunterschied: 

Gehört zum Hawaiianischen Urlaubsgefühl. Durch die Datumsgrenze haben wir den Samstag, 16.12.2017, zwei Mal erlebt. Dafür haben wir den 2. Januar nie erlebt. Eigentlich ist man, was die Tageszeit angeht, der ganzen Welt voraus. Tatsächlich aber einen Tag zu spät. Wenn man als Manager doch erreichbar sein möchte, muss man auch am Sonntag bereit sein - für alle anderen ist ja schon Montag. Dafür hat man schon am Freitag frei. Verrückt.

Was soll man nun denken:

In den Flow sind wir irgendwie nicht gekommen. Die nächtliche Kälte, vielleicht auch die vielen Flüge. Es waren 6 Flüge (mit An- Abreise Honolulu), 4 Mietautos. Vieles hat nicht geklappt wie geplant. 
Alles war sehr teuer.
Wenn man sich die Bilder anschaut, siehts es doch ganz nett aus. Wird wohl einer der Urlaube werden, wo man hinterher denkt: War doch ganz schön.
Wenn wir es je wiederholen sollten (wird nicht soweit kommen), dann doch eher im Herbst und weniger Inseln. Vielleicht sogar doch nur Big Island.

Am Schluss noch eine Story die zwar in diesem Urlaub passiert ist, aber nichts mit Hawaii zu tun hat, sondern mit China.

Prolog: Während des Urlaubs habe ich das Buch “Factory Girls” gelesen. Es geht um die Welt der Wanderarbeiterinnen in den Textil- und Technologiefabriken Chinas. Man erfährt, wie hart dieses Leben ist. Aber auch wie oberflächlich, neidisch und unehrlich. Es zählt nur der monetäre Status und man versucht, die anderen auszustechen. 
Nun also zu unserer Story: Für den Rückflug mit AirChina von Honolulu nach Peking haben wir nach einem Upgrade gefragt. Es gab nur einen einzigen Platz in der Business Class. Nach Klärung, dass wir während des Flugs tauschen können, haben wir den gekauft. Ich habe also in der Economy gestartet und Gina in der Business. Nach 6 Std. haben wir getauscht. Auch hier noch Mal den Purser gefragt. Das war ein Fehler! Ich bin gleich eingeschlafen, leider habe ich das Folgende nicht mitgekriegt. Unsere Abstimmung mit dem Purser hat eine Chinesische Frau aus der Economy mitgekriegt. Sie hat angefangen, der Gina das Leben zur Hölle zu machen - sie fühle sich nicht mehr sicher und es sei gegen amerikanisches Gesetz, den Platz im Flieger zu wechseln. Sie hat Gina bespuckt und beschimpft ("You are trash"). Nachdem Gina sie stoppen wollte, hat sie Gina am Arm auch noch blutig gekratzt. Nachdem der Purser eingeschaltet wurde, meinte dieser sogar, er versteht die Frau. Von den anderen Passagieren hat NIEMAND reagiert oder gar geholfen. Nachdem ich wach wurde, hat der Purser auch mich separiert. Es wurde uns sogar mit der Polizei gedroht. Erst nachdem wir gemeint haben: „Aber gerne doch!“ hat sich die Situation ein bisschen beruhigt und die Frau hat sich nur noch auf böses Starren begrenzt (abgesehen davon, dass sie Gina kurz vor der Landung noch einen Becher Wasser über den Rücken gießen musste).
Nachdem wir aus dem Flieger gestiegen sind, ist sie uns wieder mit 1 Meter Abstand gefolgt. Wahrscheinlich in der Hoffnung, einen Vorwand für eine neue Eskalation zu haben. Nur dadurch, dass wir mittlerweile den Fast Channel nutzen können, wurden wir getrennt. Sie ist bei der Einreisekontrolle hängen geblieben.
Unglaublich! Ihr Verhalten könnte man noch als Pech für uns abstempeln, aber das Verhalten der anderen Passagiere und die Unfähigkeit der Besatzung war niederschmetternd. On Top noch dieser Vorwurf “You dont understand Chinese Culture”! Dass man dies als Culture definiert und so ein Verhalten sogar verteidigt, ist traurig. Darauf bereitet auch kein interkulturelles Training vor. Und ganz ehrlich;  mittlerweile merke ich, dieses Argument kommt immer dann, wenn die Chinesen wissen, dass sie Unrecht haben, aber keinen Ausweg wissen. Respekt ist ein weltübergreifender Wert und das wissen auch die Chinesen, man merkt es eigentlich.
Epilog: In dem Buch lernt man auch, wie die junge Generation doch einiges kapiert und sieht und an sich arbeitet. Sie studieren, lernen und merken, dass ein stetiges Ausstechen nicht zum Glück führt. Wir kennen auch ein paar Chinesen dieser Sorte. Das gibt Hoffnung, aber ein Dämpfer war es trotzdem! Und Ginas Liebe für China wurde dadurch auch nicht größer.

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Kommentare: 3
  • #1

    M. (Dienstag, 16 Januar 2018 20:25)

    Und hast Du der Gina den Kratzer desinfiziert?
    Und verkaufen die auf Hawai vielleicht schon Grundstücke auf dem Loihi. In 30 tausend Jahren wird es ein Trefer sein.

  • #2

    M. (Mittwoch, 17 Januar 2018 17:09)

    Den ersten Satz habe ich ernst gemeint! Wenn Du das nicht gemacht hast, mache es auch heute noch!
    Und zu dem zweiten habe ich ein paar Emotikons vergessen zu geben :).

  • #3

    Juraj (Dienstag, 23 Januar 2018 23:31)

    wieder hast du mich einen besseren belehrt, Pavel. Nach dem ich Die Insel des Vorigen Tages von Umberto Eco gelesen habe, habe ich geglaubt das ich das Zeitparadoxum verstanden habe. Jetzt nach diesem Blog bin ich wieder total irritiert :P
    Tut mir leid mit der Zuruckfahrt, ich versteh immernoch nich was der Ausloser von dem Verhalten der Frau war, ist aber ernuchternd. Immerhin von den Filmen und allen anderen Sachen hate ich das Gefuhl das alle Chinesen nett, und freundlich und bescheiden sind. Scheint nur ein Phantombild zu sein. Gutte Genäsung wunsche ich Gina und hoffentlich hat das nicht die Eindrucke aus dem Urlaub verdunkelt.
    Machts gut.