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Nächster Vollzug: Kalligraphie

Ich hätte tatsächlich nicht gedacht, dass sich das ganze Zeichen- und Kalligraphie-Studium auch im täglichen Leben auszahlt.

In China gibt es ein zweistufiges Abstrafungssystem für Fehlverhalten im Straßenverkehr. Die Punkte und auch die Strafzahlungen sind erst mal nur dem Fahrzeug zugeordnet. Da können die ewig liegen. Nur bei Fahrzeugübergabe/Verkauf muss das Konto glatt gestellt werden.

Man kann/sollte die Punkte auf den Führerschein umschreiben. Auf dem Führerschein darf man nur 12 Punkte haben, sonst ist er weg. Jedes Jahr jedoch wird der Punktestand - immer wenn sich die Führerscheinausstellung jährt (Führerscheingeburtstag sozusagen) - auf Null gestellt. 

In China ist es sehr einfach, Punkte einzufahren. Wie schnell man fahren kann, ist häufig schwer zu erkennen oder sich zu merken. Es ist nicht, wie in Deutschland, dass so eine Info ständig wiederholt wird. So ein Zeichen steht vielleicht mal 5 km früher. Da hat man schon etliche Kreuzungen passiert - bis zur Radarfalle. In welche Straßen man reinfahren darf, wissen häufig auch die Chinesen nicht. Plus bei dem Chaos hier, bleibt man gerne mal wo stecken und muss den Ausweg kreativ suchen. Bei all den Beobachtungskameras geht das schon mal schief.

So hatte ich also auch 3 Punkte eingesammelt. Mein Führerschein hatte eben Geburtstag. Klar, dass ich kurz davor auf die Polizeistation bin. Guanyu - ein Kollege hat mir geholfen. 

Nun zum eigentlichen Thema des Artikels: Man muss natürlich irgendwo unterschreiben - klar. Der Polizist hat gemeint besser Chinesisch (mein Führerschein läuft tatsächlich auf meinen Chinesischen Namen). Ob ich das denn könne? Guanyu meinte (ohne mich zu fragen), „ich denke schon“. Glücklicherweise unterschreibt man ja ständig die ganzen Kalligraphie Schriften. Ich habe also meine Unterschrift gekonnt hingepfeffert. Dem Beamten ist echt ein „Wow“ entflogen.

Die 3 Punkte waren ganze 24 Stunden auf meinem Führerschein ;-).

 

 

 

 

P.S. was man auf dem Bild sieht (wenn man reinzoomt) ist die Skriptversion von 凯博为,Kai Bo Wei; was soviel heißt wie: Der, der mit Wissen Veränderung herbeiführt. Und Bo ist gleichzeitig die Entsprechung für Doktor. Tricky, ha? Namen sind in China wichtig - deswegen habe ich meinen mit Hilfe eines Kollegen bereits in Deutschland gefunden. Er klingt ein kleines bißchen sogar wie mein Name „Bowei“ = “Pavel“.

 
Auf den Bildern: mein Kollege und ich vor der Polizeistation. Die Meldung über die Punkte ist bequem auf dem Smartphone abrufbar.  Mein Name von Fatima, meiner Kalligraphie Lehrerin, geschrieben. Man sieht, es bleibt immer noch viel Raum fürs Lernen für mich. Wobei ich auch einen anderen Stil verwende.

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