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Happy in the Rain

Es fehlt nur der 20er.

Wir habens endlich geschafft, nach Guilin zu kommen. Jeder, wirklich jeder Expat, war schon mal dort. Und schwärmt. Die Landschaft, die Leute! Nur das Wetter ist schwierig.

 

Wir haben die „beste“ Zeit - Juli gewählt. Mehr aus den Zwängen meines und Ginas Kalenders. Normalerweise ist Sommer keine gute Zeit, um in den Süden zu fliegen. Es ist Regen/Sturmzeit. Und da 90% des chinesischen Flugraums (angeblich) militärisch sind, können die Zivilflugzeuge die Gewitter nicht einfach umfliegen. Das resultiert in der Regel in vielen Verspätungen. Irgendwann mal führt es zum Kollaps des Systems, weil die Flieger einfach nicht ankommen und damit nicht für weitere Flüge zur Verfügung stehen. Siehe auch unser Kunming-Abenteuer letztes Jahr. Je später am Tag man losfliegt, desto schlimmer. Unser Hinflug war für 22 Uhr geplant und der Rückflug für 18 Uhr. „Beste“ Voraussetzungen. 

Wir hatten Glück diesmal. Departure jeweils nur um ein paar Minuten verspätet. Dafür direkter Abflug ohne langes Rumstehen. Pünktliche Landung um 0:40 Uhr. Noch mal ne Stunde ins Hotel. Wir waren genau müde, um gleich zu schlafen.

Am nächsten Tag erst mal in Ruhe auf unseren Guide warten. Gemütliche Radwanderung neben dem Fluss, anschließend ganz touristisch mit einem Bambusboot. Atemberaubende Landschaft. Wirklich wie chinesische Gemälde. Nach der Anstrengung war ein frischer Melonensaft von gefrorener Wassermelone das Richtige, um happy zu sein.

Als nächstes stand eine Wanderung zum Mondberg an, 800 Stufen. Erst mal verhindert durch eine Sturmflut von Regen. Was tun? Essen! So ergab sich die Möglichkeit, den bisher besten Fisch unseres Chinaaufenthaltes zu bekommen. Bierfisch - lokale Spezialität. Ein in Bier, Chili, Ingwer, Paprika und Tomaten geschmorter Süßwasserfisch. Nach dem Sturmregen und dem Fisch gings dann hoch. 

800 Stufen dürften so ca. 200 Höhenmeter sein - wenn überhaupt.  Hat sich angefühlt wie 1000 Meter. Wir waren - auch ohne Regen - komplett nass. Wie geduscht.

In unserem Hotel 'Tea Cozy' - ein echtes Kleinod - fiel die Erholung leicht. Der beste Service Chinas bis jetzt. Offene, herzliche Leute. Schönes Hotel im alten Stil gemacht, aber mit allen Annehmlichkeiten ausgestattet.

Am nächsten Tag gings mit dem Boot über den Fluss Li in den Norden zu den Reisfeldern. Sozusagen das Kontrastprogramm. Kai Strittmatter hat ein sehr gutes Buch über China geschrieben. Ein Kapitel heißt: Heiß und laut. So lieben es die Locals. Viele auf kleinstem Raum. Sich gehen lassen, laut sein, viel futtern. Wie immer, trotz des Lärms schlafen manche. Die schöne Landschaft zieht von allen unbeachtet vorbei. Wir konnten uns auf das Aussichtsdeck flüchten. Das bis auf die berühmte  Stelle, wo man das Bild von 20er RMB Schein nachschießen kann, leer geblieben ist. Nur für die 5 min war es natürlich auch dort voll und laut.

In den Reisfeldern war dann noch eine kurze Wanderung möglich. Und wieder sind wir nass geworden. Diesmal durch den Regen. 

Am Abend dann wieder eine lokale Spezialität: Bamboo Chicken. Das schlechteste Hühnchen Chinas bis jetzt. Gummiartig und aromenarm. Einfach das Huhn in den Bambus reingequetscht und überm Feuer - sozusagen SousVide gekocht. Die Chinesen haben wohl auch Molekularküche erfunden. An sich hat das Gericht mit richtigen Gewürzen und kürzerer Garzeit Potenzial. Wir haben wohl Pech gehabt. Drei Brocken waren dabei, die waren sehr gut. Wahrscheinlich, weil sie genau neben dem raren Ingwer und den Pilzen lagen. Dafür war der Bambooreis durchwegs sehr lecker - wohl wegen den kleinen Speckstückchen.

Am nächsten Tag war noch eine Wanderung geplant, die jedoch wg. Regen ins Wasser fiel. Aber mei, mann kann Blogs schreiben, lesen, rumlungern - was man so am Sonntagmorgen tut.

Zurück gings mit einem chinesischem Privatfahrer zum Flughafen. So konnten wir aus nächster Nähe erleben, was so am chinesischem Lenkrad abgeht. Oh Mann. Grundloses Bremsen, Schlaglöcher werden gezielt angesteuert, dafür wird auf gerader Strecke plötzlich ausgewichen (ich weiß nicht wofür). Ich wollte ihn fast nach hinten befördern, hatte aber meinen Führerschein in Beijing gelassen. Die Fahrt runter vom Dorf wurde dazu genutzt, alle zu begrüßen, nachzufragen, ob man aus Guilin was mitbringen soll, Schulden bezahlen. War fast irgendwie süß, wenn wir nicht zum Flug müssten. Aber wir habens doch geschafft.

Abflug im Regen.

Das war unser Speed Guilin. Man kann bestimmt doppelt so lang bleiben.

 

Die Landschaft, die Leute wunderbar. Nur das Wetter ist bisserl schwierig.

Und hier nochmal alles in schwarz-weiß, weil man das mit Guilin Bildern so macht ...

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Kommentare: 2
  • #1

    Sandra (Donnerstag, 28 Juni 2018 17:07)

    Dieses Eckchen hätte ich letztes Jahr auch gerne gemacht nur wurde mir genau wegen des Wetters zu dieser Reisezeit von unserer damaligen Reisetante abgeraten ;o( Finde die Bilder wunderschön! Und Yunnan war mit gutem Wetter umso besser!
    Was mich außerdem noch interessiert, wie oft hat Gina bei den Treppen und Höhenmetern geflucht?!

  • #2

    Peter (Donnerstag, 30 August 2018 18:58)

    Ach, hier ist ja schon ein Kommentar. Also lass ich es bleiben. Aber echt schöne Landschaft.