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DINK-ey Triathlon

Was macht man als DINK-ey?

Was macht man als kinderloses Paar in China? Reisen! 

Mondän wie wir sind, haben wir uns binnen 3 Wochen 3 Metropolen gegeben - quer durch China.

Shenyang-Norden, Shanghai-Mitte, Guangzhou-Süden.

Jede Metropole hatte ihre Überraschungen - kulinarisch, kulturell und architektonisch.

 

Shenyang:

Ein guter Kollege von dort kehrt demnächst  zurück nach München, also haben wir ihn mit einem Besuch verabschiedet. Ein tolles Wochenende!

Kulinarisch: 

Shenyang ist ca. 300 km von der Hafenstadt Dalian entfernt. Dadurch gibts ziemlich gute Logistik für frischen Fisch und Meeresfrüchte. Ergebnis: tolle japanische Küche. Die besten Sushi ever kriegt man in Shenyang (und ja, in Japan waren wir auch schon). Zweite Überraschung, die Dongbei Küche. Für die Chinesen ist Dongbei a bisserl wie das Ostfriesland für die Deutschen. Nicht allzu fortschrittlich. Entsprechend auch die Küche eher rustikal. Unser Firmenfahrer in Shenyang mag mich irgendwie. Er ist ein echter Shenyanger und findet es lustig, wie ich China erkunde und wie ich versuche, mit ihm zu kommunizieren. Also hat er mich und Gina mit seiner Frau zum Abendessen ausgeführt. Gehobene Dongbei Küche - eine echte Überraschung. Und wir hatten einen rein chinesischen Abend. Je mehr BaiJiu ich hatte, desto besser wurde mein Chinesisch. So mache ichs, wenn ich zur nächsten  Prüfung gehe (am 14. Oktober).

Kulturell: 

Meine Kalligraphie Lehrerin hat uns empfohlen, in SHY unbedingt in das Kalligraphie Museum zu gehen. Es hat sich echt gelohnt. Tolle Stücke, ich war wirklich begeistert. Gina, Medon und Cheng waren eher interessiert anwesend. Aber, als ich ihnen den Hintergrund der Schrift und deren Entwicklung erklärt habe, ...hat sich nicht viel verändert ;-). Chinesische Kalligraphie bleibt wohl doch nur was für Eingeweihte. Die Verbotene Stadt von Shenyang ist auch sehenswert. Die letzte Dynastie - Qing - die Mandschus, sozusagen Mongolen - sind über den Norden eingefallen. Shenyang war deshalb zuerst die Hauptstadt, bevor die Qing nach Peking 1644 umgezogen sind. Man merkt aber, dass es wilde Reiter aus der Steppe waren. Die Einrichtung ist eher karg. Für unsere Erwartung nicht kaiserlich. Muss ein hartes Leben gewesen sein.

Eine Kollegin hat Gina vom Shenyanger Stoffmarket berichtet. Wir hatten also eine Aufgabe. Aus einem groben Foto musste ich die Location finden. Nicht so einfach, weil es kennt sich ja keiner aus. Aus einer Kombination von Grundkenntnissen Chinesisch, Schriftzeichengefühl, Orientierungssinn und doch einer ordentlichen Portion Glück haben wir den doch gefunden.

 

Was für ein Chaos! Die Stoffe liegen einfach in Bergen auf dem Boden. Da hätte man Stunden gebraucht, um was zu finden. Und unser Schneider in Beijing hat auch gute Stoffe. Passt schon, nächster Stopp. Drachenflieger im Park: Gefühlt 400 m lange Leine. Auf jeden Fall waren die Drachen kaum mehr zu erkennen. Hat mich gewundert, dass es die Flugsicherung erlaubt hat.

Architektonisch:

Shenyang macht sich. In der Dämmerung und nachts übertrifft seine Strahlkraft sogar Beijing. Spannend ist das neue Musikhaus - Diamond genannt. In Shenyang wird gerade auch der höchste Turm Chinas gebaut. Da kommt noch viel...

 

Shanghai:

Ich war ja schon viele Male in Shanghai, aber immer nur dienstlich. Das heißt, ich habe nur ein paar Zulieferer und Konferenzsäle gesehen. Während der letzten Dienstreise konnte ich ein tolles Hotel erleben. Da dachte ich, hier komme ich mit Gina zurueck. Gesagt, getan. Das "W on the Bund" Hotel war wirklich toll. Ausblick auf den Bund, tolles Buffet, tolles Zimmer. Am Nachmittag musste ich zwar noch kurz arbeiten, aber dann sind die Dämme losgebrochen. Wir haben in Shanghai Gas gegeben.

Kulinarisch: 

Am ersten Abend einfache Shanghai Küche. Die berühmten Krabbensuppen Dumplings. Der Clue: die Suppe ist im INNEREN des Dumplings. Hammer. Am nächsten Tag ein angehendes Sternenlokal mit einem Freund aus Shanghai. Gänseleberschnee, Stickstoff Eis, Blumenkohl mit fermentierten Pilzen. Alle Schikanen der modernen Chic-Küche. Aber echt gut umgesetzt. Wenn wir in Shanghai leben würden, würden die uns öfters sehen.

Kulturell:

Wahnsinn, mitten in dieser modernen Stadt gibt es einen Heiratsmarkt. Wahrscheinlich, weil die jungen Menschen nicht mehr zum Ausgehen kommen. WeChat ist ja wichtiger. Ich habe mich also dazugesellt und habe versucht die Yun (meine Chinesischlehrerin) an den Mann (also die Eltern) zu bringen. Hat leider nicht geklappt - nächstes Mal muss ich mich besser vorbereiten. Wie ich verstanden habe, ist vor allem das Gewicht, das Alter und das Gehalt wichtig. Da war ich mit einem Foto völlig fehl am Platz. Bin mir nicht sicher, ob mir Yun diese Daten verraten will. Aber sie will ja einen Boyfriend so sehr, da muss sie über ihren Schatten springen.

Die Museen, z.B. das Shanghai Museum, sind auch interessant. Das Shanghaier Historische Museum zeigt die Entstehung der KP. Wurde ja in Shanghai 1921 gegründet. Da hat schon Mao mitgewirkt, auch wenn nur als Schreiberling (der junge Typ im weißen Hemd). Und die Kulturkritik kann man auch finden.

Architketur: Shanghai halt. Echt cool. Wenn man bedenkt, vor 30 Jahren wars noch a größeres Fischerdorf...

 

Zum Abschluss Guangzhou:

Das war eher eine spontane Idee kurz vorm Mondfestival. Ohne große Überlegungen einfach hin. Auch hier gabs Überraschungen.

Kulinarisch: 

Die Kanton Küche ist berühmt, aber auch anstrengend. Auf die Kantonesen trifft ja das Vorurteil zu - die essen alles. Und das denken sogar die Chinesen über Kanton. Irgendwie mögen die zusätzlich schwabbelige Texturen. Aber wir hatten am ersten Abend Glück. Über WeChat habe ich eine Empfehlung ausgemacht. Tolles Menu. Das Beste war das Schweinefleisch. Durchwachsen, oben mit leichter Kruste - der Wahnsinn. Als Beilage gabs im Holzofen und mit Zuckerglasur langsam gekochtes Schweinefleisch. Super Kombi.

Die Downside war das Durian Cake. Ein Bissen reicht. Der Rest bleibt stehen. Unglaublicher Geruch. Aber das ganze Menu war sehr lecker. Am nächsten Tag sind wir in ein Familienrestaurant. Da gabs Tofu mit Schweinespeck. In China eigentlich so überraschend nicht. Aber die hier haben den Tofu mit Speck gefüllt! Der Höhepunkt waren die Mooncakes. Normalerweise sind die Teile eher wie Küchlein mit Nussfüllung. Klar, manchmal auch mit süßem Fleisch oder so, aber irgendwie immer genießbar, auch für Europäer. Nicht so hier. Es waren schwabbelige Böller mit einer undefinierten Füllung. Anstrengend.

 

Kulturell:

Auch Guangzhou hat sowas wie ein altes Zentrum. Eine Konfuzius Schule und eine Pagode aus dem 4ten Jahrhundert. Mitten in Guangzhou haben sie vor 20 Jahren eine Krypta gefunden. Die ist wohl 2000 Jahre alt. Man kann sogar reinkriechen. Drumherum gibts ein Museum, in dem die ausgegrabenen Schätze präsentiert werden, inklusive einer in Jade verkleideten Mumie. Das ist für mich auch ein kleines Beispiel der Kultur hier. Es wird viel auf Glaube und Hörensagen gegeben, nicht auf die Wissenschaft. Bestimmt hat irgendein Taoistischer Mönch behauptet, Jade ist heilig und wird schon auch den Kaiser beschützen. Im Gegensatz zu den ägyptischen Mumien ist diese von der umliegenden Erde nur durch eine Chemieanalyse zu unterscheiden. Dafür ist aber die Jadeverkleidung mit all den anderen Symbolen aus Jade gut erhalten und auch interessant anzusehen. Auf jeden Fall ein Muss, wenn man in Guangzhou ist.

 

Architektur.

Hier spielt Guangzhou echt einen Trumpf aus. Völlig unerwartet steht man mitten in einer modernen Stadtkulisse. Schlag auf Schlag Hochhäuser (über 100 Stockwerke hoch), imposante Bibliothek, lichtdurchflutete Oper von Zaha Hadid, Kulturmuseum in Form einer chinesischen Reliefschachtel und dann der elegante Canton Tower. So macht man mutige elegant-progressive Stadtplanung. Hier kann Beijing mal wirklich in die Lehre gehen. Nach dem CCTV Gebäude (spöttisch Unterhose genannt) hat die Beijinger Planer der Mut verlassen. Nun gibt es bei uns nur einfache Stifte oder Klötze. Da war die New City in Guangzhou eine Wohltat für die Augen.

 

Und ja, nach Guangzhou geht man auch um zu Shoppen. Die ganze Luxusmode lässt hier fertigen. Natürlich fällt hier das ein oder andere vom Laster und sucht nach einem neuen Zuhause. Gina hat ein offenes Herz für solch verlorene Kleider. Ein Paradies für sie. Ich habe mich in eine Ecke gehockt und habe schon mal die Bilder für den Blog am Handy bearbeitet (kein Problem mit meinem Powerpack vom Pearl Market) und Gina ist auf die Jagd gegangen. Das ist nicht so einfach. Es ist echt ein wirres Labyrinth aus Gassen, Häusern und Geschäften. Haufenweise Kleider und lebendige Models (eigentlich hätte ich auch rumgehen sollen :–) ).

 

Shenyang:
Shanghai:
Guangzhou:

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Kommentare: 2
  • #1

    Sandra (Montag, 08 Oktober 2018 15:47)

    Und schon wieder das gepunktete Kleid ;-) Gina, warum musst Du da überhaupt shoppen?!

  • #2

    Heiner (Dienstag, 23 Oktober 2018 22:30)

    Pavel, du musst nach deiner Rückkehr einfach ein chinesisches Restaurant in München aufmachen......die Hauptkunden hast du dann wahrscheinlich schon mit BMW Kern. Die nach China gehen und die von China kommen-und uns natürlich auch..