· 

Hotpot

Ein Nationalgericht, dass überall anders ist.

Hotpot

 

Das Nationalgericht, das überall anders ist.

 

Wenn man traurig ist, wohin geht man? Zum Hotpot.

Wenn man fröhlich ist, wohin geht man?

Zum Hotpot.

Wenn man feiern möchte, wohin geht man?

Zum Hotpot.

Wenn man auf Reisen ist, wohin geht man?

Zum Hotpot.

Wenn man was Wichtiges besprechen möchte?

Hotpot.

 

Zumindest wenn man ein Chinese ist, aber Laowais machen auch mit.

 

Ihr könnt euch erinnern? Letztes Jahr in Kunming haben wir eine Touristin aus Guangzhou getroffen. Als Gina sie nach Reisezielen in China gefragt hatte, kamen nur Vorschläge, die etwas mit Essen im speziellen Hotpot zu tun hatten.

An sich könnte man (stark vereinfacht) sagen, Hotpot ist sowas wie ein Suppenfondue. ABER in China hat jede Provinz - wenn nicht jede Stadt, eine eigene Art Hotpot zuzubereiten.

In Sichuan und Chongching gibts die schärfsten Varianten. Da besteht die Suppe praktisch nur aus Chili.

In Beijing wird eine Art mongolischer Tischkamin verwendet. Im Innerem sind normalerweise echte Kohlen. Man kann die Hitze selbst mit am oberen Ende einer Klappe steuern. In Qinghai gibts eine ähnliche Vorrichtung, aber da wird alles gleichzeitig gemischt und gekocht. In Changchun im Norden gibts eine köstliche Suppe mit Pilzen und allerhand gesundem Zeug wie Goji verfeinert. Echt lecker.

Wir gehen gerne in einen sogenanten Suan (sauer) Hotpot. Eigentlich ist es eine wunderbare Tomatensuppe. Keine Ahnung wieso es so plump „Sauerhotpot“ genannt wird. In Guangzhou gibt es eine leckere Hühnersuppe mit Goji und Datteln.

Der Witz beim Hotpot ist, dass je mehr Leute mitmachen desto variantenreicher und umfangreicher man bestellen kann. Dann wird nach und nach alles gekocht. Normalerweise zuerst das Fleisch, dann die Innereien, dann das Gemüse. Da der Tisch ja riesig ist, muss man sich gegenseitig abstimmen - für einander kochen. Das steigert die Geselligkeit.   Zudem ja in China jedes Essen für irgendein Organ gesund ist. Das wird ausgiebig diskutiert. Da hier nicht nur eine Meinung vorherrscht, ist für ein intensives Gespräch gesorgt. Gesteigert wird es dadurch, dass traditionell auch allerhand reinkommt: Gehirn, Knochenmark, Tripe ....

Natürlich auch alle Arten von Fleisch, Schinken, Gemüse, Pilze und Salat.

Einigkeit herrscht nur darüber: Nudeln kommen zuletzt. Und zwar, wenn das Wasser zu einer köstlichen Suppe geworden ist.

Die gekochten Stücke werden in eine kleinen Sauce getunkt, die man selbst zusammenstellt. Hauptträger ist dabei eine Sesampaste. Ich tue dazu: Chilliflocken, Chiliöl, Kumin, Koriander, Schnittlauch, mutig Knoblauch ... und ein guter Kleks fermentierte Bohnenpaste. Einfach wow.

Für mich und Gina gibt es beim Hotpot ein Rätsel. Was die Suppe angeht, können wir keine Schärfe vertragen. Sichuan Hotpot gibts zum Beispiel in vier Stufen. Wir nehmen Stufe Null. Dafür kann uns die Sauce aber nicht scharf genug sein ;-).

Glücklicherweise gibts spezielle Töpfe, in denen man zwei getrennte Suppen kochen kann. So können wir auch mit unseren chinesischen Freunden essen gehen. Deren Suppe nutzen wir dann als zusätzlichen Dip. 

Als Hotpotprofi zieht man die billigsten Klamotten an. Bei dem ganzen kreuz und quer Kochen spritzt schon mal was. Zudem  ist man die ganze Zeit dem Kochdampf ausgesetzt. Manche Lokale bieten extra Schürzen und Hussen (die auch Klamotten abdecken können) an, aber das hilft nur begrenzt.

Also genießt man Hotpot am besten am Freitag Abend nach der Arbeit mit ordentlich Baijiu.

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Heiner (Dienstag, 23 Oktober 2018 22:49)

    Ein hotpot darf in deinem chinesischen Restaurant dann natürlich nicht fehlen, sozusagen als Einstiegsdroge im Vorraum....war in Peking übrigens auch ein Highlight...