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Die Suche nach Glück

Nein, ihr habt nicht Ginas runden Geburtstag verpasst.

Zu Ginas runden Geburtstagen verstecken wir uns bekannterweise auf den Malediven.

Dieses Jahr sind wir aus dem Muster ausgebrochen. Wir wollten doch mal Singapur sehen und das lässt sich sehr gut mit den Malediven kombinieren.

 

Man kann auf diesen kleinen Inseln wunderbar entspannen. Man hat das Eiland in etwa 15 min zu Fuß umrundet. Das vereinfacht die Tagesplanung erheblich:

Schlafen

Frühstück (ausgiebig)

Lesen (die Wahl der Liege wird durch direkte Zuordnung vereinfacht)

Schnorcheln

Lesen (evtl. auf der Veranda)

Schnorcheln

Abendessen

Schlafen

 

Lange Liste gell? Klingt nach Stress. Und da habe ich die Drinks zwischendurch (ist ja all inclusive) ausgelassen. Zum Entspannen von diesen turbulenten Tagen kann man eine Spa Massage oder Schnorchelausflüge einschieben. Wir hatten diesmal tatsächlich Glück. Mantas, Walhai, Seeschlidkröte und Delfine - alles war geboten. Neben einem Walhai zu schwimmen ist schon majestätisch - trotz der 100 anderen Touristen. Aus dem chinesischen Straßenverkehr sind wir ja Positionskämpfe gewohnt. Ich war überrascht, wie schnell die Mantas sind. Man kommt echt nicht hinterher.

Die 10 Tage waren leider nach kürzester Zeit schon wieder vorbei gewesen. 

Also nach Singapur. 

Eine wirklich spannende Stadt der Superlative - wenn man sich mit den Hintergründen beschäftigt. Das Stadtbild selbst ist eher nüchtern, irgendwie nicht charmant. Nach dem ersten Ausflug auf eigene Faust waren wir ein bisschen erschrocken über die Sterilität. Aber Gina hat eine Firma gefunden, die Touren durch die Stadt organisiert. Wir haben drei gemacht. Das hat sich echt gelohnt! So kommt man gut ins Gespräch und kann vieles erfahren.

Singapur ist eine Kombination aus Demokratie, Polizeistaat, Kapitalismus, Wallfahrt. Kultur und Kommerz, Integration und Separation.

Alles Mögliche ist verboten: Verkauf von Kaugummi (außer in der Apotheke auf Rezept), LGBT, Menschenversammlungen, auf Rot über Ampeln gehen. Und mit Verboten meine ich mit saftigen Strafen, Gefängnis oder gar einer Todesstrafe belegt (LGBT). Die Tourguides haben spezielle Genehmigungen für ihre Arbeit, weil alles über 10 Personen als nicht genehmigte Revolution gilt. Auf der anderen Seite muss man nur einen einfachen Antrag für eine Demo stellen und dieser wird nach ca zwei Wochen genehmigt. Laut unserem Tourguide selbst dann, wenn man gegen die doofe Regierung, die alles verbietet, demonstrieren möchte.

Singapur ist die Nummer eins beim Pro Kopf GDP, hat den am meisten entwickelten freien Markt, keine Korruption, ist ein Bildungs- und Innovationshub, hat als einer der wenigen Staaten ein AAA Finanz-Rating. Auf der anderen Seite kann jeder Staatsbürger von Singapur eine subventionierte Wohnung erwerben für tws. weniger Geld als z.B. in München. Und das in einer der teuersten Städte der zivilisierten Welt. 

Jeder sechste Anwohner ist ein Millionär, weil per Gesetz das 13te Gehalt in einen Pensionsfonds fließt. Für JEDEN. Dafür leben wiederum Nicht-Singapurianer in einer art modernen Sklaverei. Es leben viele Nationen zusammen: Chinesen (70%), Malayen (20%), Inder (10%) - Expats fallen offenbar doch nicht ins Gewicht. Diese Mischung wird per Gesetz in jedem Viertel und Wohnblock eingehalten. So wird Integration gemacht (angeordnet). Heiraten tun die dennoch untereinander nicht - man kann die Menschen doch nicht zu allem zwingen.

Und trotz alledem sind wohl die Singapurer Einwohner nicht glücklich. Sie vermissen die Freiheit. Komische Welt. Das Glück scheint immer woanders zu sein.

Und dabei hat Singapur die meisten "besten Bars Asiens" inkl. der Nr. 1. Wir haben vier von den ca. 12 unter den gelisteten Top 50 besucht. Wahnsinn. Super kreativ, lecker, perfekter Service und tolles Ambiente in allen vier.

Unser Favorit: Atlas (eigentlich die Nr. 4). Das aus dem Film Metropolis entliehene Ambiente und entsprechende Drinks begeistern. Auch die Nr. 1 - Manhattan ist eine tolle Location. Ambiente eher klassisch, eigene Gin-Fertigung und spezieller Raum für Whiskey (im Fass) vollenden das Angebot. Dann kommen die Experimentatoren: das Nativ mit Drinks aus fermentierten Grasshüpfern und einem eigenen Labor im Attik; und Operation Dagger mit Rotwein aus Schokobohnen oder einem destilliertem Bauchspeck-Gin (beides köstlich uebrigens).

Am Ende war es doch ein denkwürdiger Stadtbesuch.

Und wir haben auch zumindest für eine kurze Zeit das Glück schnuppern können.

 


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Kommentare: 1
  • #1

    Peter (Sonntag, 14 April 2019 10:43)

    Das ist wie: So lebt der Jetset! Die Reichen und die Schönen! Exklusivreportage bei Brigitte.