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Licht und Schatten mit royalem Flair

Incredible India.

Es ist ratsam, beim Spring Festival aus dem menschenleeren Beijing zu flüchten. Man erlebt immer Überraschungen.

 

Dieses Jahr ist die Wahl auf Rajasthan gefallen. Einige Leute haben davon geschwärmt. Wie der Titel schon ahnen lässt - so einfach war das für uns nicht.

Die Werbung sagt: Incredible India. 

Das gilt in jedem Sinne.

Erstmal der Schatten, damit wir im Licht aufhören.

Der Schatten:

Man weiß, Indien ist schmutzig. Aber wie, wirklich incredible. Wir sind von Udaipur nach Jaipur mit dem Auto gefahren - ca. 400 km. Ungelogen, die ganze Zeit war es eine kontinuierliche Müllhalde. Von den Städten ganz zu schweigen.

Indien ist arm. Auch incredible. Man sieht so viele arme Menschen überall. Es ist unfassbar. Indien ist incredible chaotisch. Die Unübersichtlichkeit des Straßenverkehrs ist noch mal deutlich erhöht im Vergleich zu China. Buchstäblich aus allen Richtungen kann jeder und alles rauskommen. Zusätzliche Verkehrsteilnehmer: Kühe, Hunde, Kamele.

Es ist alles auf eine incredible Weise egal. Der Flug von Udaipur nach Jaipur wird abgesagt - das erfährt man erst am Flughafen kurz vor dem Abflug (deswegen die lange Autoreise). 

Die indische Gesellschaft ist incredibly rückwärtsgewandt. Schuld ist der immer noch sehr starke Einfluss der Religionen und des Kastensystems.  Die Religionen bringen die Überbevölkerung und Frauenunterdrückung mit sich. Das Kastensystem die Unterdrückung ganzer sozialen Schichten. Es gibt vier Stufen (Priester und Regierende, Krieger und Geschäftsleute, Landwirte und Handwerker, Straßenkehrer und Milchausbringer). Nicht nur, dass es unmöglich ist aufzusteigen - es wird nicht außerhalb der Kaste geheiratet oder auch Freunde gemacht. Das ganze Leben wird eingeschränkt: Zum Beispiel ein Strassenkehrer (unterste Kaste) wird daran gehindert, ein Geschäft aufzumachen - da ja durch seine Kaste auch natürlich der Intellekt per Definition eingeschränkt ist. Das verhindert sogar schon seine eigene Familie. Dann sind da noch die Unantastbaren: Die Bettler und Landstreicher; sowie die, die Kühe  essen -> also wir!

Man könnte noch lange so weitermachen, aber wenden wir uns doch den schönen Themen zu.

Das Licht:

Die Sehenswürdigkeiten sind wunderschön. Incredibly wunderschön. Wie aus 1000+1 Nacht. Kommen diese Märchen nicht aus Indien? Die Paläste, Festungen und Tempel sind nicht zu übertreffen. Monumental, reich ausgestattet, verspielt schön.

Indien ist abwechslungsreich auf eine incredible Weise. Man kann Kultur, Natur, Städte, Moderne und Historie - schlicht alles erleben. An einem Tag übernachtet man im alten Palast, dann besucht man einen Heiligen See, um am nächsten Tag eine Tigersafari (mit Sichtung!) zu erleben. Zum Schluss ein modernes Hotel mit gehobenem Restaurant. Und wir waren nur in Rajasthan. 

Indien ist freundlich. Incredibly freundlich. Im Service sind die Leute zuvorkommend, versuchen zu helfen. Wenn man sich unterhält begegnet einem ein stetiges Lächeln und Hilfsbereitschaft.  

Die Menschen in Indien sind incredibly tolerant. Alle Religionen koexistieren miteinander. Die Tempel sind für alle offen. 

Indien entwickelt sich. Auch das ist Incredible. Manchmal langsam, aber es passiert. Der Premierminister ist aus der untersten Kaste. Bangalore und Mumbai sind internationale Start-up Hubs und Indien ist Nr. 6 der wirtschaftsstärksten Ökonomien - weltweit. 

Das Highlight: Unser Guide Uttam.

Uttam ist selbst ein Beispiel für das Potenzial und den Fortschritt des Landes. Er kommt aus einem ländlichen Gebiet, seine Eltern bauen Tee an. Er hat es nach New Delhi geschafft. Er hat ein kleines Reiseunternehmen und ist mit einer deutschen Lehrerin verheiratet.

Er hat für uns alle Schwierigkeiten gelöst. Uns eine tolle Reise vorbereitet und auch auf beste Weise begleitet. Durch seine Offenheit haben wir viel über das Land und die Gesellschaft erfahren. Er hat unsere ständigen Vergleiche mit China weggesteckt und auch sonst unser Nörgeln immer wieder erduldet.  Zum Beispiel über das Essen. Natürlich hatten wir immer wieder Probleme, da das Essen recht schwer ist und die Hygiene ist nicht überall gut. Doch durch seine positive Art hat er uns immer wieder motiviert, auf das Schöne zu schauen. Durch Indien sollte man sowieso immer mit einem Guide reisen (um Unlösbares zu lösen und doch a bisserl beschützt zu sein) am besten mit so jemandem wie Uttam.

Der Royale Lichtblick, Karauli:

Mitte der Reise waren wir in einer kleinen Stadt angekommen. Ein Ruhepol mit einer noch aktiven royalen Familie, in deren Heritage man übernachten kann. Das Gelände ist eine Oase. Am Abend haben sich die Maharani und der junge Maharana Sohn zu uns gesellt. Also die Königin und der Prinz. Sie verstehen sich als Nachfahren von Krishna. Die Familie unterstützt die Stadt mit einer Vielzahl an sozialen Projekten (Schule, Krankenhaus, Tempel). Es war ein interessantes Gespräch über die Widrigkeiten der Indischen Politik.

Das Juwel von Karuauli ist der royale Palast, der nach und nach zum Museum umgebaut wird. Es ist der älteste Palast Indiens. Und sicher auch der schönste. Zu dem Palast gehört auch ein aktiver Krishna Tempel. Sehr lebendig. Karauli war wirklich eine Abrundung der Reise. Ohne diesen Zwischenstopp wäre unser Trip nicht komplett gewesen. Falls ihr mit Uttam reist - bitte nicht wegdiskutieren. Falls ihr ohne Uttam unterwegs seid (was ein Fehler wäre), trotzdem hingehen.

Der Höhepunkt Taj Mahal:

Auf der Safari haben wir eine Frau getroffen, die Tränen in den Augen hatte, als sie über das Taj (wie die Inder es nennen) gesprochen hat. Da habe ich noch gedacht: na komm, ist doch nur ein Gebäude.

Aber was für eins! Es ist wirklich wunderschön. Ein Gebäude aus Liebe gebaut, mit einem tragischen Hintergrund.

Das schönste Gebäude, das man sich vorstellen kann. Monumental und grazil.

Incredible.

 

Auf den Fotos ist zu sehen:

Uttam mit uns beim Thali essen.
Eindrücke von einer Chai Pause. 
Wir standen hier nur 5 Minuten!
Das innere eines Sikhtempels mit einer Küche für alle. 
Udaipur - die weiße Stadt. Ich habe einen Elefantenmalkurs absolviert.
Jaipur die pinke (eigentlich Terracotta) Stadt mit Palast der Winde und ein Observatorium mit der weltgrößten Uhr-Sonnenuhr mit 2 sec Ablesegenauigkeit.
Das Innere eines Harem.
Pushkar - die Stadt mit heiligem See.
Safari mit echtem Tiger. 
Karauli mit einem der schönsten Paläste.
Taj Mahal.
Unser Fahrer Mr. Singh.
Rote Festung in Agra - es gibt dort mehr als nur Taj Mahal.

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Kommentare: 2
  • #1

    Peter (Sonntag, 14 April 2019 10:33)

    Das sieht doch alles sehr incredible aus.

  • #2

    Sandra (Montag, 29 April 2019 16:57)

    ... und jetzt habe ich einen wunderbaren Eindruck wo mein Elefantenbild genau herkommt. Danke schön nochmals!