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Flucht vor dem Sommer

Wir haben es dem Qianglong nachgemacht. Wir waren nur a bisserl zu früh dran.

Ich habe vor ca. 2 Jahren das Buch "Cox der Lauf der Zeit" gelesen. Der Autor, obwohl nicht wirklich vor Ort gewesen, hat ein ziemlich plastisches Bild über das Palastleben in der Verbotenen Stadt und in der Sommerresidenz Chengde gezeichnet. Seither wollte ich mal Chengde sehen.

Vor kurzem haben wir also einen Tagesausflug dorthin gemacht. Qianlong hat ca. 2 Wochen gebraucht, um dort hinzukommen - ist also natürlich auch länger geblieben. 
Chengde ist ca 220 km nördlich von Peking, sozusagen an der Grenze zur Inneren Mongolei. Da die Qing Dynastie ihre Wurzeln in der Mandschurei hat, die auch sehr nah ist, war wahrscheinlich auch ein bisschen Nostalgie bei diesen Ausflügen dabei. Qianlong hat um 1711-1799 gelebt. Nach meinem Verständnis hat er gewisse Züge von Ludwig II. gehabt. Er war ein Schöngeist, er hat die Kultur gefördert, viele Denkmäler errichtet oder  restauriert, neue Paläste gebaut. Er hatte dadurch aber auch die Kassen ausgehöhlt und seinen Nachfolgern viele Probleme hinterlassen. Nach ihm begannen die ganzen Revolten - mit Boxerkriegen angefangen.
Aber wie immer, die kulturelle Hinterlassenschaft ist das was bleibt. Irgendwie wussten diese Könige immer, wie man sichs schön macht. Die Qing Dynastie hat den Tibetanischen Buddhismus gefördert. So sind in Chengde auch der kleine Potala Palast zu finden sowie einige wichtige Buddhistischen Tempel. Die einzelnen Sehenswürdigkeiten sind jeweils einzeln betrachtet nicht so imposant. Aber das ganze Ensemble der Stadt ist einzigartig. Kaiserpalast, riesiger Jagdgarten, riesiger künstlicher See, kleiner Potala, die Tempel - definitiv einen Ausflug wert.
Am Parkplatz vor dem kleinem Potala fragt mich der Wächter wo wir herkommen. Ich meine: natürlich aus Peking. Er stockt kurz, dann macht er das Spiel mit. Mein Chinesisch hat echt Fortschritte gemacht. So konnte ich, trotz nur eigentlich angebotenen Tagestickets, einen niedrigeren Preis aushandeln. Wir wollten ja in den Potala nicht rein, nur ein paar Bilder von außen schiessen war unser Ziel. 
Dadurch hatten wir mehr Zeit für den Puning Tempel gehabt. Hier gibt es eine Holzstatue von Buddha mit 1.000 Armen, ca. 30 Meter hoch. Auch die ganze Atmosphäre ist weniger umtriebig, und es gibt Gelegenheit zum Entspannen. Wir haben diesmal auch eine ganze Runde Drehtrommeln um den Tempel absolviert. Jede einzelne gedreht. Mal sehen, was das bringt. Unser gemeinsames Glück kann man eigentlich nicht weiter steigern.  

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