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Der letzte Tag

Natürlich wieder sehr chinesisch

Alle sind verabschiedet, der Kater nach der Abteilungsfeier ist sehr gross, was tun am allerletzten freien Tag? 


Am besten was sehr Chinesisches. Mir ist noch eingefallen, dass es in Europa keinen wirklich guten chinesischen Tee gibt! Zusätzlich sah es so aus, dass ich doch noch Platz in einem meiner drei Finnair Koffer haben werde. 

Da tue ich doch mein Chinesisch final anwenden und den Mittag am Tea Market verbringen. Bin allein, ohne Guide, ohne Übersetzer hin. Teemarkt einfach gefunden, aber den Shop den ich kannte, nicht mehr.

Nach zwei Runden durch den Markt habe ich mich für einen unprätentiösen kleinen Laden entschieden. Der Grüntee war in Kühltruhen (wie es sich gehört), der Schwarztee in großen Boxen (wie es sich gehört). Sonst kein Schnick-Schnack. Einfacher Laden ohne durch dieTouristen bereits verdorben zu sein. Das untrüglichste Zeichen, keiner stand davor und hat versucht, Kunden anzulocken. Mein Laden also. Ich habe dort über eine Stunde verbracht. Tee testen, sich mit dem Besitzer unterhalten, mit Kalligraphie gegenseitig angeben (er konnte es wirklich gut). War einfach nett. Preise waren dennoch hoch, aber fair. Ich habe ja eigentlich den Brunello und Barolo des Tees in Massen eingekauft! Fun fact: der Schwarztee heisst auf Chinesisch eigentlich roter Tee. Wie schon mal geschrieben, für Chinesen ist guter Tee wie für uns der Rotwein. Nach drei Jahren Tee testen und zelebrieren, bin ich nun auch soweit gekommen, dass ich bereit bin (wie für einen Brunello auch) den hohen Preis zu zahlen.

Übrigens, das Meiste für eine Teezeremonie - vor allem meine handgemachten Teekannen - habe ich nach München mitgebracht. Wer Interesse hat, kriegt von mir liebend gern eine Einweisung zum Tee inklusive chinesischer Teezeremonie - solange der Vorrat reicht ;-).


Da das auch meine letzte Fahrt mit der U-Bahn war, habe ich die Karte an der Zentralstelle zurückgegeben. Seltsam: eben bei diesem Akt hat mich tatsächlich der Gedanke eingeholt: Das wars! Das Abenteuer China ist nun wirklich vorbei! 


Jetzt bin ich wieder ein Tourist.


Epilog: Als ich meiner Relocation Lady darüber bei der Wohnungsübergabe erzählt habe, hat sie Mitleid mit mir gekriegt und mir eine neue Beijing U-Bahn Karte geschenkt.

Nette Geste. Gina hat daheim auch noch eine gefunden (keine Ahnung - wie das kam). Nun sind wir doch wieder Beijinger (Beijingren); zumidest auf on hold.